Rheinpfalz-Bericht - Fotogruppe Gutlicht

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Rheinpfalz-Bericht

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Ein Klick für des anderen Glück
Leute im Landkreis: Helmut Karl fotografiert gerne und gut – Mit seinen Bildern unterstützt er soziale Projekte

Von Marion Bastian
«Neuhofen.» Das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden: Diese Kombination ist ein Leitgedanke von Helmut Karl.
Der passionierte Hobbyfotograf macht seine Aufnahmen zu Geld.
Und gibt es gleich wieder aus – nämlich ausschließlich für wohltätige Zwecke.
Wenn man Helmut Karl im Dorf begegnet, dann hat er meistens ein Handwerkszeug dabei – eine Kamera.
Er dokumentiert dabei all seine Beobachtungen. Sei es ein Naturereignis, ein Volksfest oder eine ungewöhnliche Ansicht auf ein Gebäude. Dank seines geübten Blicks auf Neuhofen und seines enormen Fachwissens kann er die Fotos in bare Münze umsetzen: in Form eines Fotokalenders, den er und seine Mitstreiter des Fotoclubs auf dem Weihnachtsmarkt verkaufen.
Längst sind die in mühsamer Handarbeit entstandenen Kalender zum Selbstläufer geworden und gehen weg wie geschnitten Brot.
Knapp 50.000 Euro haben die Hobbyfotografen in 26 Jahren damit eingenommen und die gesamte Summe dem Ludwigshafener St. Anna-Stift gespendet.
Das Krankenhaus zu unterstützen, dieser Gedanke kam dem ehemaligen Standesbeamten 1987, als sein Sohn schwer erkrankt war.
Helmut Karl und seine Frau Angelika wechselten sich damals mit der Betreuung im Kinderkrankenhaus ab.
„Dabei fiel mir auf, dass es an Vielem gefehlt hat, was die Arbeit der Pflegekräfte erleichtert hätte“, berichtet der Pensionär.
Sein Sohn wurde wieder gesund, aber nicht nur aus Dankbarkeit hat sich Helmut Karl vorgenommen, die Klinik zu unterstützen.
Er hat einfach gesehen, womit er unterstützen kann und er hat gehandelt.
Daran hat sich bis heute nichts geändert und mit den Jahren hat der Fotoclub eine herzliche Verbindung zu dem Team im St. Anna-Stift und im St. Marienkrankenhaus aufgebaut.
Immer wieder fallen den Fotografen neue Projekte ein, um mit Verkaufserlösen zu helfen.
Etwa mit einer Fotoausstellung des Clubmitglieds Günter Bauernfeind zum Thema „Flüssigkeiten und mehr“, die ab 5. Oktober im St. Marienkrankenhaus gezeigt wird.
Oder mit Benefizveranstaltungen an Fasnacht, bei denen Clubmitglied Peter Schwarz die Besucher gegen eine Spende zum Essen einlädt.
Neben einigen kleineren lokalen Projekten hat Helmut Karl vor zehn Jahren eine weitere Aktion gestartet, nicht wissend, welchen Stein er damit ins Rollen bringt.
Der 67-Jährige ist auch leidenschaftlicher Bergsteiger und war zum damaligen Zeitpunkt mit seinen Fotokollegen in Nepal unterwegs.
Dort kam er mit der bayerischen Ärztin Uschi Münch ins Gespräch, die in dem Himalayaland „nebenbei“ und auf eigene Kosten tatkräftig mithalf, ein abgelegenes Dorfkrankenhaus aufzubauen.
Von soviel Energie und ehrenamtlichem Engagement war der Pfälzer so angetan, dass er nicht lang überlegen musste:
Er wollte helfen. Mit seinem großen Fundus an Fotomaterial organisierte er mit seinen Kollegen Diavorträge über erlebte Fernreisen.
Und mit dem Erlös konnten die Neuhofener tatkräftig zum Aufbau des fernöstlichen Krankenhauses beitragen.
Bis 2014 mehrere Erdbeben das Land erschütterten und die begonnene Arbeit zunichtemachten.
Aber aufgeben ist nicht Helmut Karls Ding. Jetzt erst recht, dachte er sich.
Die damalige RHEINPFALZ-Berichterstattung über das nepalesische Projekt des Fotografen löste eine Lawine aus, womit er selbst nicht gerechnet hat.
Rundfunk und Fernsehen wurden aufmerksam und die Spendenbereitschaft war immens. „Es gab mir ein wenig den Glauben an die Menschheit zurück.
Ich war überwältigt“, erinnert sich Helmut Karl.
Mittlerweile hat er gemeinsam mit der Ärztin den Verein Nepal Medical Support gegründet, damit die Hilfsgüter ohne Umwege und ohne Verwaltungskosten am Bestimmungsort ankommen.
Rund 80.000 Euro sind bisher zusammengekommen, von denen jeder einzelne Cent zum Wiederaufbau gebraucht wird.
In den nächsten sechs Monaten hat der Fotograf fünf Benefizveranstaltungen geplant, deren Erlös auf seine größeren und kleineren Projekte verteilt wird.
Auf die Frage, was man durch Hilfsaktionen zurückbekommt, antwortet der engagierte Spendensammler:
„Es ist vor allem das Gefühl von Zufriedenheit.
Wenn man selbst alles erreicht hat, dann gibt es mehr Lebensziele, als den eigenen Kontostand zu überprüfen.“

Quelle: Die Rheinpfalz                                                         Bericht vom Samstag, 15. September 2018
Letzte Aktualisierung am 14. Januar 2020
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